Freitag, 22. März 2013

Frühlingsgefühle und Blizzard Bedrohungen

Einige Zeit ist es her, seitdem hier das letzte Mal seichte Töne amerikanischen Vorstadtlebens erklangen. Die letzten Wochen und Monate waren vorsichtig formuliert durchwachsen. Die Üblichen up's und down's, heitere Highlights folgten kleinere Krisen und angeregten Diskussionen Tage, an die ich mich jetzt schon nicht mehr erinnere. Oft bekannt als solche, die man im Winter am ehesten unter der warmen Bettdecke, mit einer Tasse Milch mit Honig sowie einem guten Buch übersteht.

     "Sind Amerikaner oberflächlicher, ich zu introvertiert, missinterpretiere ihre Gutherzigkeit gar"?
Auf eine Frage nach dem Wohlbefinden würde der Amerikaner in einer solchen Situation wohl mit "mir könnte es nicht besser gehen" antworten. Allein diese Formulierung sollte im interessierten Gesprächspartner alle Alarmsirenen aufheulen lassen. Darüber hinaus behaupte ich, ist sie in mehr als neunzig Prozent der Fälle eine nichtssagende, Empathie heuchelnde Floskel, allenfalls  Höflichkeitsformel, mehr nicht. Doch wieso wird einem dann überall Interesse vorgaukelt, wo doch jeder weiß, dass sich weder die Walmart-Verkäuferin noch der Typ an der Hantelbank neben dir im Fitnessstudio für dein Wohlbefinden interessiert? Sind die Menschen hier oberflächlicher, ich zu introvertiert, missinterpretiere ich ihre Gutherzigkeit gar? Eine interessante Frage, auf die ich auch nach längerem Grübeln in meinem Kaemmerchen, noch keine befriedigenden Antwort gefunden habe, die es wert wäre hier breitgetreten zu werden. 
Apropos Kämmerchen: Seit Beginn meines Freiwilligendienstes bin ich innerhalb unseres Hauses insgesamt schon vier Mal umgezogen, letztmalig einen Tag vor meinem Geburtstag!  Auslöser dafür anders als zu Internatszeiten (6 Umzüge in 3 Jahren, normal sind 3) zwar keine verhaltensbedingten Sanktionen und dennoch brauche jedes Mal wieder Zeit zum Einleben, rücke das gesamte Mobiliar hin und her, um mir anschließend eingestehen zu müssen, scheußlich die Änderungen doch wirken.

 
Den Fokus dieses Blogs möchte von nun an verstärkt auf allerhand gesellschafts- und kulturkritische Blickwinkel "des großartigsten Landes der Welt" richten. Genug des Hausfrauendaseins! Meinen kindlich-zynischen Schreibstil werde ich ungeachtet vereinzelter Kritik beibehalten. Es ist einmal ein Tagebuch, wenn auch nur sehr rudimentär und mit wenig Liebe geführt. Keine Dissertation ehemaliger Bundeskabinettsmitglieder!  


Das Hinweisschild einer amerikanischen Kirche, spricht mir aus der Seele


Jetzt ist es endgültig genug. Wir sind an einem Punkt, wo das Fass überzulaufen droht. Vier Monate ohne Blogeintrag eine halbe Ewigkeit! Vier Monate einschließlich Weihnachten, Neujahr, Geburtstag, TV Nonplusultras à la Grammys, Golden Globes, Oscars, Reisen nach Montreal, New York und abermals Montreal. Blizzard 1, Blizzard 2 (dem Himmel sein Dank am Tag meines Geburtstags), Blizzard 3.  Da kann man ja selbst von dem Faulsten erwarten, zu schreiben möchte man meinen. Gerade, wenn der Autor als Berufswunsch gerne verträumt Journalist angibt.

Die Wintermonate waren hart und richtig zum Kotzen! Fortwährende Schneestürme, die Dunkelheit, dazu meine Mobilitätseinschr
änkung kulminierten in Pessimismus, Fernweh und Melancholie ihre Höhepunkte. Hinzu verspürte ich trotz der vielen Menschen um mich herum eine geistige Einsamkeit, die für mich schwer erträglich war. Nach drei Jahren Internat, in denen ich rund um die Uhr Gleichgesinnte um mich hatte, mich hin und wieder sogar nach Segregation sehnte, erlebte ich nun das krasse Gegenteil. Sogar meine wöchentlich Zwei freien Tagen mindestens und die 6 Stunden Freizeit täglich wurden mit zunehmendem Schneefall zur Qual. 
Kurzum: Ich steckte in vergangenen 2 Monaten im tiefsten Winterloch meines noch jungen Lebens. Zwischenzeitlich überlegte ich auch meinen Dienst vorzeitig zu quittieren. Eine Horizonterweiterung konnte ich in dem ewigen Waschen, Putzen und Kochen nicht mehr erkennen. Einzig die Vorfreude auf den Sommer und meinen Kalifornienurlaub mit Zwischenstopps in San Diego, Oceanside, Los Angelas und San Francisco veranlassten mich zu bleiben.

Mittlerweile ist die Welt wieder in Ordnung. Die vermehrten Sonnen Stunden seit Anbruch der Sommerzeit letzte Woche ist das beste Antidepressivum. Der Winter scheint vorbei, seit Montag haben wir beständige 10 Grad und mehr. Glücklicher denn je schnürte ich beim ersten Wetterumschwung sofort meine Laufschuhe, habe soeben in Vorbereitung auf den Halbmarathon im Mai erstmals 10 Kilometer zurückgelegt. Zwar werde ich mich vermutlich drei Tage nicht bewegen können, doch das bin ich ja inzwischen gewohnt.

Gestärkt von der überstandenen "Voluntary-Service-life-Crisis" gebe ich heute grundehrlich zu Protokoll geben: "Mir könnte es nicht besser gehen!  








 (Anmerkung: Der Artikel aufgrund eines technischen Missgeschicks bereits am 23.03.2013, jedoch noch als Entwurf. Als Entschaedigung hier nun die finale Form.)

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