Hi Folks,
nun bin ich schon unglaubliche 23 Tage hier im
wunderbaren Neu-England und nun auch in der Lage mal vertiefte Impressionen
meines bisherigen Aufenthalts preis zugeben, zumindest glaube ich dies! Heimweh
habe, und hatte, ich noch nicht. Und dass, obwohl ich schon in dieser kurzen
Zeit deutliche Höhen und Tiefen durchlebte. Dazu hatte ich schon mehrere
prägende Erlebnisse und Begegnungen sowie leider auch eine große Zeitspanne, in
der ich mich einfach nur gelangweilt habe...
Aber immer der Reihe nach.
Nach einem durchzechten letzten Abend im bürgerlichen Kleinmachnow machte ich mich also ins knapp 6000 Km entfernte Haverhill, in den Bundesstaat beim großen Hügelchen auf. Doch schon nach wenigen Kilometern meiner Reise sollte mich die erste Hiobsbotschaft erreichen. Obwohl sich die Mitglieder der Flugbegleiterorganisation UFO am Tag meiner Ausreise freundlicherweise entschlossen hatten nicht zu streiken, erwartete mich am Frankfurter Flughafen eine böse Überraschung. Für meinen Freiwilligendienst hatte ich nämlich so viele Sachen wie möglich in meinen Koffer gestopft, man weiß ja nie was einen so erwartet. Auf die Gewichtsvorgaben von maximal 23 Kg pro Person hatte ich natürlich nicht geachtet, wieso auch. Mit meinem bezaubernden Lächeln und meiner neuen Brille kriege ich das schon irgendwie hin, so dachte ich zumindest. Denkste! Die freundliche Blondine am Lufthansa Schalter blieb hart. Kein Wunder hatte ich ja auch 6 Kg mehr als erlaubt!background-color Anfangs verlangte sie dafür eine 100,- € Nachzahlung, was laut ihrer Aussage bei interkontinental Reisen "standard sei". Nach einer kurzen Diskussion einigten wir uns darauf, die 29 Kilo auf zwei Taschen zu verteilen, wofür sie mir dann freundlicherweise nur 75 € berechnete. Dafür nochmals vielen Dank!
Der Flug verlief dann zum Glück ohne weitere
Strafzahlungen, Komplikationen oder Verspätungen. Angefressen und wie ich nach
der vermeidbaren Nachzahlung war habe ich mir dann vorgenommen den verlorenen
Betrag durch vermehrten Konsum an Bord auszugleichen. Gesagt getan. Gegen Ende
der Reise befanden sich neben der New York Times auch die Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung, Bild am Sonntag, das Manager Magazin sowie das
Lufthansa Bordmagazin in meinem Besitz, welche ich bis heute natürlich nicht
gelesen habe. Auch das Catering vermehrt in Anspruch. Wahrscheinlich hatte ich
außer den Spirituosen gegen Ende die gesamte Produktpalette durchprobiert. Nur
die Wirkung der zwei Gläser Weißwein hatte ich in knapp 9000 Meter Höhe arg
unterschätzt.
In Boston angekommen wurde ich wider meiner
Befürchtungen umgehend am Gate, von dem einzigen Assistenten der halbwegs in
meinem Alter und noch nicht verheiratet ist sowie keine Kinder hat, abgeholt.
Joe ist wie mir scheint ein echt netter Typ, der mich inzwischen auch schon mit
den spärlich vorhandenen sehenswerten Orten bekannt gemacht hat und generell
für allerlei Unternehmungen zu haben ist.
Nachdem ich erfuhr, dass man mein temporäres
Gemach nicht abschließen kann und einer der Core-member (so werden unsere
Bewohner genannt), bei seinen nächtlichen Streifzügen gerne Leute erschreckt,
fiel ich ein wenig verängstig, jedoch todmüde ins Bett. Lichtblick des Tages
war neben einem netten "Welcome to Gandhi House David" Schild auch
die Antwort des Nachtwächters auf die Frage, ob ich denn ein Glas
Wasser bekommen könne: "Das ist
nun dein Zuhause, bedien dich, woran auch immer du willst."
Dan' ist in seinen Bewegungen so langsam das man, während er sich ein Brot schmiert, ruhig ein ausgiebiges Bad nehmen kann.
Am nächsten Morgen wurde ich gegen 06:00 Uhr
dann tatsächlich von Tom geweckt. Glücklicherweise war mein erstes
Aufeinandertreffen mit ihm um einiges angenehmer als jenes des letztjährigen
Freiwilligen, der beim Erwachen in das etwa 10 Cm von seinem Kopf entfernte
Gesicht von Tom starrte. Die ersten Tage hier waren dann echt ziemlich
beschwerlich. Erst einmal musste ich feststellen, dass die Core-member meines
Hauses quasi gar nicht Reden und außer einem sonntäglichen Kaffeetrinken bei
Dunking Donuts auch nicht viel Zeit miteinander verbringen. Neben Tom, der bis
auf Coffee, Cake, Work und "pee", was wie ich erfuhr
"please" heißen soll und eigentlich nur zum Einsatz kommt, wenn er zu
einer Speise Ketchup verlangt, also zu jeder Mahlzeit, leben noch Devin, Jim
und Daniel genannt Dan' in meinem Haus. Devin ist etwa 1,90 M groß und mit
Mitte 20 der jüngste Bewohner unserer Community. Er ist meistens ziemlich
hyperaktiv, was vor allem die Hilfestellung während der abendlichen
Körperpflege Aktionen wie z.B. Duschen, Rasieren oder Nägel schneiden immens erschwert.
Devin redet wie Tom eigentlich gar nicht, besitzt er ein iPad über, das er
kommunizieren kann. Erlebt habe ich das aber noch nicht, da Devin das Gerät
meistens irgendwo liegen lässt und es dann oft für längere Zeit unauffindbar
ist. Das Kommunizieren mit James genannt Jimmy wird durch seine undeutliche,
stark krächzende Aussprache erschwert. Wenn Jim zu Hause ist, guckt er entweder
Wrestling Videos oder verbringt die freie Zeit auf seinem Zimmer. Dan' ist in
all seinen Bewegungen so langsam das man, während er sich ein Brot schmiert,
ruhig ein ausgiebiges Bad nehmen kann und passend dazu ist auch seine
Redegeschwindigkeit.
Ziegelfabriken aus der Kolonialzeit, unzählbare Fast Food Restaurants und eine ganze Reihe fetter Menschen ist alles, was man sieht, wenn man durch den Ort fährt.
Schnell musste ich auch feststellen, dass auch
in "Gods own Country" die Möglichkeiten etwas zu unternehmen relativ
schnell an ihre Grenzen stoßen, hat man keinen Führerschein. Dies war
eigentlich mein größtes Problem in der Anfangszeit, sprich den ersten zwei
Wochen. Zwar sind innerhalb meiner Community alle sehr herzlich und
zuvorkommend, begeistert wurde ich auch als "new german" überall
vorgestellt und empfangen, doch darüber hinaus war mir sehr langweilig.
Irgendwelche Aufgaben hatte ich nicht, "leb dich erst mal richt ein"
war die Devise. Doch was tun, wenn mit den Core-members keine Kommunikation
zustande kommt, ihre Antworten auf Fragen meist nur sehr wortkarg mit
"yes" oder "no" beantwortet werden und man tagsüber während
die Bewohner arbeiten "nur" sechs Stunden zeit für Unternehmungen
hat? Abenteuerlustig wie ich bin nahm ich mir vor die Gegend zu erkunden.
So wurde ein alter Drahtesel, welchen ich in unserer Garage fand, schnell zu
meinem besten (und einzigen) Freund. Nach ein paar Arbeitsstunden schwang ich
mich auf den Sattel, das 60000 Seelen Dorf unsicher zu machen. Die Gegend hier
ist echt wunderschön. Indian Summer at its best! Hätte ich eine Kamera, würde
ich auch Fotos machen. So gesehen habe ich also die beste Jahreszeit erwischt.
Andererseits ist hier in Haverhill jedoch gar nichts los. Zahllose Grünflächen
sowie Ziegelfabriken aus der Kolonialzeit, viele kleine Häuschen mit riesigen
Ami-Schlitten davor, unzählbare Fast Food Restaurants und eine ganze Reihe
fetter Menschen sieht man, wenn man durch den Ort fährt. Alle Klischees also
wieder mal erfüllt. "Downtown Haverhill" also das Stadtzentrum
besteht aus ca. zwei Blocks. Junge Menschen gibt es hier auch nicht, so scheint
es mir zumindest! Das alles hat mich am Anfang schon stark deprimiert. War ich
doch extra nach Amerika gekommen, um etwa zu sehen, herumzukommen, Boston, eine
der ältesten Städte des Landes zu entdecken und nun sowas?
IIrgendwann wurde mir so langweilig, dass ich mit dem Fahrrad einfach irgendwohin fuhr, sodass ich mich nach geraumer Zeit in dem 16 Kilometer entfernten Nachbarstaat New Hempshire wiederfand. Dort habe ich mich dann mit einem Mega-Ben&Jerrys Eisbecher für lächerliche 4 $ im Wal Mart belohnt.
Doch mittlerweile kann ich mich hier echt nicht
mehr über mangelnde Aufgaben beklagen. Nun bin ich ein vollwertiges Mitglied
der "Gang", habe feste Arbeitszeiten und auch die oben beschriebene
Beziehung zu den Einwohnern hat sich stark verbessert. Die freie Zeit während
die Core-members Arbeiten nutze ich oft zum Lesen, studieren meiner Drivers
manual oder um ins Fitness Studio zu gehen. Von der Community gibt es nämlich
eine Gratis-Mitgliedschaft im örtlichen Fitness Club. Dieser besitzt neben dem
Studio auch eine Sauna, einen Indoor Basketballplatz und kleines Schwimmbad.
Boston habe ich nun auch schon besucht. Eine famose Stadt. Obwohl ich im Rahmen
meines eintägigen Aufenthalts weder Aquarium, Freiheitspfad noch die U.S.S.
Constition noch nicht besichtigte, war es einfach total spannend die Stadt der
Bostonians mit dem Rad zu erkunden, am Charles River Boston Baked Beans
zu essen und durch Cambridge zu fahren.
In der nächsten Zeit freue ich mich besonders
auf die Ankunft von Eric, einem weiteren Deutschen Assistenten hier in der
Community. Ihn kenne ich schon von meinem Vorbereitungsseminar und habe auf dem
Kalender schon eine Strichliste angelegt, bis es endlich so weit ist! Noch zwei
Wochen ... Des Weiteren bin ich büffele derzeit fleißig für die
Führerscheinprüfung hier. Die theoretische Prüfung besteht aus 25
multiple-choice Fragen, von denen man 18 richtig beantworten muss. Danach kann
man schon mit einer volljährigen Person so lange fahren üben, bis man sich
imstande fühlt, die Prüfung abzulegen. Wie ich aus verschiedenen Quellen
erfuhr, dauert diese nicht länger als 10 min. . Alles in allem kostet der
Lappen hier schlappe 200 $ und ist nach einfachem Umtausch bei der Behörde auch
in Deutschland gültig. Kann ich nur empfehlen! Auch der Wahl am 06. November
fiebere ich schon entgegen. Und mit meiner 5 $ Spende habe ich auch alles in
meiner Macht stehende getan, um die Wiederwahl von Obama zu unterstützen. Jetzt
liegt's an ihm. In diesem Sinne,
Peace David!
P.S. Wer mich besuchen will und nicht gedenkt länger als 90 Tage zu bleiben braucht nicht mal ein Visum, spart also die 140 € Visumgebühr und die Durchleuchtung durch die amerikanische Stasi. Super oder?
Wie immer gilt: Wer einen Rechtschreibfehler findet darf ihn behalten!